Digitale Barrierefreiheit nur links der Mitte?

Seit November 2012 bin ich auf Twitter aktiv. Von Anfang an bemühe ich mich, ein breites Spektrum von Accunts im Blick zu haben und nicht etwa nur sog. konservativen Katholiken zu folgen. Dabei fällt mir seit Jahren auf, dass es gerade diese sind, die es mir – unbeabsichtigt, sicherlich – schwer machen, ihre inhalte überhaupt wahrzunehmen. Vereinfacht gesagt. Inhalte aus dem ‚rechten‘ sowie dem traditionsbetonten christlichen Spektrum sind viel seltener technisch barrierefrei.

 

Vor Jahren war in einem „Welt“-Artikel zu lesen, Inklusion im Museum (also z. B. besondere Angebote für blinde Besucherinnen und Besucher) seien unter der Kategorie „Schnickschnack“ zu verbuchen. Das scheint, mehr oder weniger explizit, gängige Meinung rechts der Mitte zu sein.

Bildbeschreibungen zu Tweets von „Tichys Einblick“ & Co.? Fehlanzeige! Im Gegenteil: Gerade diese einschlägigen Accounts fallen dadurch auf, dass von dort aus oft Bilder gepostet werden, in denen sich Text verbirgt (= Umgehung der 280-Zeichen-Begrenzung). Direkt lesen kann ich als blinder User solche Posts nicht. Eine optische Zeichenerkennung (OCR) ist erforderlich. Auch auf Websites wie kath.net ist nicht allzu häufig ein aussagekräftig beschriebenes bild oder ein korrekt beschrifteter Link zu finden.

 

Mit den Inhalten aus dem Spektrum, das parteipolitisch etwa bei den grünen oder der Linken einzuordnen wäre, bin ich ja oft wirklich nicht einverstanden, man denke nur an die Frage des lebensschutzes. Doch eines muss ich hervorheben: Das Bewusstsein für barrierefreies Publizieren ist in dieser politischen Ausrichtung im durchschnitt weitaus stärker ausgeprägt. Auch die in diesem Bereich Aktiven aus der Gruppe der Menschen mit Behinderungen sind meist politisch eher nicht dem konservativen Spektrum zuzurechnen.

 

Vielleicht sind aus konservativer Sicht die paar behinderten menschen eine zu vernachlässigende Gruppe, um die man sich wahltaktisch oder argumentativ nicht bemühen muss. Das jedoch halte ich für einen großen Fehler. Es gibt gerade für Menschen mit Behinderung gute Gründe, nicht ‚automatisch‘ links oder grün bzw. rot zu wählen. Denn die Forderung nach uneingeschränkter Teilhabe und Inklusion, die generell eher als linke Forderung gilt, hat, wie angedeutet, einen doppelten Boden; sie passt so gar nicht zu manch einer bioethischen Position, die bisweilen als Dogma der linken politischen Option unhinterfragbar ist. Es gibt gute Gründe, dass sich konservative Publizistik auch um digitale Barrierefreiheit bemüht.

 

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