Mariä Aufnahme in den Himmel -eines der schönsten Feste

Volkstümlich: Mariä Himmelfahrt

Ein paar nüchterne Fakten zu Beginn

  • Festtag: 15. August
  • bezeugt seit: um das Jahr 550 in den orthodoxen und altorientalischen Kirchen, geht wohl auf eine Initiative Cyrills von Alexandrien Anfang des 5. Jahrhunderts zurück. Nach ostkirchlicher Auffassung endet damit das Kirchenjahr, das am 1. September mit dem Gedenken der Erschaffung der Welt oder auch mit den Vorfeiern zur Geburt Mariens dann wieder von neuem beginnt.
  • Name des Festes in den Ostkirchen (bzw. auch alter allgemeiner altkirchlicher Name des Festes): Entschlafung der Hochheiligen Gottesgebärerin, lat. dormitio (oder Varianten davon, z. B. Heimgang Mariens)
  • Glaubensbestandteil auch in den Westkirchen seit dem 6. Jahrhundert; zum Dogma erhoben durch Papst Pius XII. mit der Apostolischen Konstitution (= dogmatisches Schreiben) Munificentissimus Deus (deutsch: „der überaus freigebige Gott“)
  • In den evangelischen Kirchen teils ebenfalls am 15.08. Gedenktag, aber aus theologischen Gründen einfach ‚nur‘ als Gedenktag des Todes der Mutter Jesu, gefeiert in der Hoffnung auf die allgemeine Auferstehung.

 

Einige Gedanken zum Fest

Biblischer Befund und Überzeugung des Gottesvolkes

Wie vieles, was in der Sprache des Glaubens (also sozusagen für Insider) gesagt wird, ist allein schon der Name des Festgeheimnisses missverständlich und erklärungsbedürftig. Biblisch bezeugt ist die Auffahrt Jesu Christi in den Himmel. Doch gibt es dafür, dass Maria in den Himmel aufgenommen wurde, keine eindeutigen biblischen Belege, die man wortwörtlich anführen könnte. Schon um das Jahr 400 war jedoch das ganze gläubige Volk (also nicht nur ein paar Theologen und Philosophen) zutiefst überzeugt, dass die Frau, die Gottes Sohn geboren hat, nicht einfach im Grab liegen könne. Gott selbst und Jesus Christus, der ja die göttliche und menschliche Natur „unvermischt und ungetrennt“ in sich trägt und vereint, könnten einen gewöhnlichen Tod Marias – so die allgemeine Überzeugung – nicht zugelassen haben. Maria, die sich auf Gottes Wort vertrauensvoll eingelassen hat wie vor und nach ihr wohl niemand, sei mit Sicherheit gleich nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufs verwandelt worden. Zu denken ist dabei etwa an die Erklärung des Apostels Paulus: Diejenigen, die noch leben, wenn Christus wiederkommt, müssen „verwandelt“ werden (vgl. 1 Kor 15,51 f.). Maria, so die altkirchliche Vorstellung, ist demnach auch möglicherweise gar nicht gestorben, sondern auf geheimnisvolle Weise ‚verwandelt‘ und in den Himmel getragen worden, also in die direkte Gottesschau. Mit Himmel ist ja nicht irgend ein weit entfernter Ort draußen im Weltall gemeint, sondern ein Zustand ungehinderter Gottesnähe, das wussten schon die sogenannten Kirchenväter wie Origenes (gestorben 254) oder Augustinus (354-430). Nur im Volksglauben ist der Himmel ‚irgendwo oben‘. Manche glauben das ernsthaft oder spöttisch immer noch.

In einer Schrift namens „Transitus Mariae“ (‚der Heimgang Mariens‘ oder ‚das Hinscheiden Mariens‘) um das Jahr 400 wird ausführlich beschrieben, wie die Apostel zuschauen, als Maria von Engeln zu Christus gebracht wird, der sie freudig in Empfang nimmt und wo sie anschließend auch gekrönt wird (das Fest Maria Königin feiert jedoch nur die Römisch-katholische Kirche, und zwar seit 1969 am 22. August).

Maria ist für uns Katholiken und Orthodoxe – ich selber bin ja von der orthodoxen Theologie und Spiritualität stark beeinflusst – keine Konkurrentin Jesu Christi und schon gar nicht wird sie angebetet. Alles an Verehrung, was Maria zukommt, hat sie von Gott. Bildlich gesprochen, leuchtet sie wie der Mond, der ja auch nicht aus sich selbst leuchten kann, sondern das Licht von der Sonne hat (also um im Bild zu bleiben: Christus, Sonne der Gerechtigkeit).

Was feiern wir nun eigentlich?

Wenn wir Mariä Aufnahme in den Himmel feiern, dann betrifft der Inhalt der Festbotschaft wirklich uns alle. Wir feiern sozusagen unsere eigene Zukunft. Denn das, was Maria nach unserem Glauben bereits erlebt hat (Aufnahme in den Himmel, ein Ehrenplatz bei Gott), das ‚blüht‘ uns allen, das steht uns allen bevor, wenn alle Folgen der Sünde beseitigt sind. Wenn Christus wiederkommt und uneingeschränkt regiert, soll uns das Gleiche zuteil werden. Deshalb ja die entsprechende Lesung aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther (1 Kor 15,21-27a). Maria ist auf geheimnisvolle Weise also, so lässt sich sagen, zeitlich vorab-erlöst; nicht weil sie Übermenschliches geleistet hätte, sondern weil sie sich – wie sonst keiner von uns – Gottes durch und durch gutem Plan uneingeschränkt zur Verfügung gestellt hat. Man könnte sagen: Maria ist die erste Getaufte der Menschheit – die erste und treueste Jüngerin Jesu.

Papst Pius XII. hat 1950 definiert, dass Maria auch leiblich in den Himmel aufgenommen ist. Das ist keine biologische Aussage über den Körper einer Frau aus Nazareth namens Mirjam vor etwa 2000 Jahren. Es bedeutet vielmehr, dass – wie vorhin schon geschrieben – wir Christen alle davon überzeugt sind, dass Leib und Seele eine Einheit bilden. Das ist zutiefst biblisch. In der Bibel gibt es die Auftrennung in den vergänglichen Leib und die unsterbliche Seele so noch nicht, das ist eher ein ins Christentum eingesickerter altgriechischer Gedanke. Das biblische Menschenbild geht hingegen davon aus, dass der Mensch am Jüngsten Tag, am Tag der allgemeinen Auferstehung, voll und ganz mit einem Leib ausgestattet sein wird. Dieser Leib wird wahrscheinlich ähnliche Eigenschaften haben wie der Leib Jesu nach seiner Auferstehung (er trat bei verschlossener Tür mitten unter die Apostel usw., überwindet blitzschnell Räume und Zeiten) – aber es ist eben doch nicht nur ein Geist, sondern ein leib, ein unverwechselbarer Leib, man wird sich im Himmel sozusagen gegenseitig auch am leib wiedererkennen können. Das ist nicht katholische Spekulation, sondern das ist biblischer Glaube; in den Psalmen finden sich viele Anklänge daran, dass für das Volk Israel der Glaube an diese klare Einheit von Leib und Seele stets vorhanden war.

Maria – das ist jetzt wiederum katholische Theologie – hat dieses Stadium längst schon erreicht: Sie hat diesen neuartigen, unvergänglichen Leib jetzt schon. Marienerscheinungen sprechen dafür, dass dies zutrifft. Damit ist das Fest Aufnahme Mariens in den Himmel auch eine starke Aussage über die Würde der Frau. Sehr gern sage ich immer: Am 15. August feiern wir die Leiblichkeit der Weiblichkeit. Gott wollte, dass der zutiefst menschliche Vorgang, Mutter zu werden, auf so eine Weise gewürdigt wird. Wenn nicht, hätte er ja Christus auch auf andere Weise ‚vom Himmel fallen lassen‘ können. Aber genau das tat er nicht. Ein französischer Arbeiterpriester hat es einmal so ausgedrückt: „Gott liebt den Menschen so sehr, dass er sich in Jesus auch mal von einer menschlichen Mama umsorgen lassen wollte“.

All dies und noch viel mehr kann man am 15. August durchdenken, durchmeditieren. Es bleibt, wie jedes orthodoxe oder katholische Marienfest, ein Christus-Fest, ein Dank an Gott. So wie Kunstwerke, die man lobt und bewundert, letztlich Bewunderung des Künstlers sind, so ist Maria ein Geschöpf, Teil der Schöpfung, und zwar ein ganz besonders schöner Teil dieser Schöpfung. Wir preisen aber den Schöpfer dieser Schönheit, der uns in Maria gezeigt hat, dass er den Menschen nur ein wenig kleiner gemacht hat als Gott (vgl. Psalm 8).

Er, der überaus freigebige Gott, der uns täglich so reich beschenkt, sei gelobt jetzt und in Ewigkeit.

Amen.

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